ARTIKEL

 

 

  

 

Timm Ulrichs

 

Anmerkungen zur Examensausstellung

"Lichtung und Dickicht",

Februar 1994

 

Unter dem Titel "Lichtung und Dickicht, zeichnerische und malerische Landschaftsassoziationen" hat Detlev Hummelt eine Werkreihe zusammengefasst, die in gestischer Malweise eben diese Gesten vorführt, aber auch gelesen werden kann als Bild von Landschaft, von tropischer Vegetation, von kaum zu durchdringendem Dickicht.

In den Bildern Landschaftliches zu sehen, entspricht beinah eher unseren Konventionen des Sehens, als daß hier Natur tatsächlich thematisiert würde. Zumeist ist auf jedwede Perspektive, auf Horizont und einer Unterteilung in Boden- und Himmelsraum verzichtet worden, die Malfläche ist identisch mit der Bildfläche, oder zumindest parallel zu ihr -: aber gewohnt, farb-  perspektivisch dunkle Farben einem Hintergrund zuzuweisen und helle Farben im Vordergrund zu vermuten, nehmen wir Landschaft wahr, auch wenn direkt nichts abgebildet ist und auch Grün- und Brauntöne nicht unbedingt mit Laub und Gras oder Erde verbunden sein müssen.

Aber noch in den schwarz-weißen Zeichnungen, die nur einen Teil der Arbeit ausmachen, ist das Dunkel des Graphits für uns der verschattete Wildwuchs eines Urwalds, und die aufhellende Spur des Radiergummis erscheint uns als Lichtung innerhalb des Waldes.

So operiert Hummelt mit Virtuosität im Bereich zwischen Konkretion und Abstraktion, und was ihm dabei gelingt, ist eine große Zahl farblich höchst delikater Bilder, die dem Auge ein Fest sein wollen.

Kunsthistorisch mag diese Position in weiten Teilen dem Expressionismus eines Lovis Corinth oder den Bildfindungen von Informel und Abstraktem Expressionismus verpflichtet sein:

Im Anschaulichen aber sprechen die Bilder ganz für sich.

 

Timm Ulrichs, 

Professor für Totalkunst an der Kunstakademie Münster,

1994